Geduld ist eine Tugend: über Nacht berühmt mit PR?

Unternehmen, die PR für sich in Erwägung ziehen, treten natürlich mit einer gewissen Erwartungshaltung an dieses Thema heran. Das liegt in der Natur der Sache und ist völlig in Ordnung. Denn nur wenn man ein Ziel verfolgt, kommt man auch an. Wenn diese Erwartungshaltung allerdings auf ganz bestimmte Wunschszenarien oder möglichst schnellen Erfolg ausgerichtet ist, macht das die Arbeit nicht einfacher, da so der Handlungsspielraum des Beraters indirekt eingeschränkt wird. Mir bereitet es in solchen Situationen besonders viel Freude zu erläutern, um was es bei dieser Arbeit eigentlich geht, wie sie professionell angegangen wird und was ein möglicher Weg zum Ziel ist. Denn wirkungsvolle PR basiert nicht auf kurzfristigen Erfolgen oder einer Wunsch-Story in einem Wunsch-Medium, sondern vor allem auf der richtigen Strategie, Kreativität, starken Botschaften und Themen.

Abrakadabra – Zauberwort PR
Gerade Startups ist es wichtig, schnell den Bekanntheitsgrad zu steigern. Die Konkurrenz ist oft groß, es wurde viel Zeit und Geld in das Herzensprojekt investiert und eventuell sitzen einem auch noch Investoren im Nacken, die schnell Ergebnisse sehen wollen. Also kauft man sich PR ein, denn das bringt das Unternehmen und seine Produkte in die Medien und führt zu schneller Bekanntheit. Es ist verständlich, dass man mit seinem Angebot ein breites Publikum erreichen möchte, doch so einfach ist das nicht. PR ist kein Wunder- oder Allheilmittel, um von null auf hundert in aller Munde zu sein. Sie ist definitiv das geeignetste Instrument, um in den Köpfen und Herzen der Zielgruppen wirklich anzukommen. Doch als Teil des Marketing- und Kommunikations-Mix gehört sie zu einem Gesamtkonzept, das in sich stimmig und durchdacht sein muss. Produkt, Vertrieb, Werbung, Veranstaltungen, Online-Marketing, etc. Das sind nur ein paar Faktoren, die in Summe den Weg zum Erfolg ebnen.

Vor der Veröffentlichung kommt die Denkarbeit
Die weitläufige Meinung oder vielmehr das Wissen darüber, was bei Öffentlichkeitsarbeit eigentlich passiert, beschränkt sich auf Veröffentlichungen in Medien. Sich selbst in der Zeitung finden, das ist PR. Das ist sie auch, aber nicht nur. Denn bevor das passiert, ist eine ganze Menge strategischer und kreativer Arbeit nötig. Es geht nicht darum, wahllos irgendwelche Informationen zu Produkten, Dienstleistungen und Personen in der Medienlandschaft zu streuen. Am Anfang stehen immer Analysen, Überlegungen, das Sortieren von Informationen, das Festlegen von Botschaften, Themen und Zielmedien, etc. Kurzum, das PR-Konzept. Und das macht nicht jeder Anbieter und auch nicht jeder gleich. Es gibt ausführliche und weniger ausführliche Varianten. Ich entscheide mich ausnahmslos für Variante eins, denn nur so ist man auf alle Eventualitäten vorbereitet. Und die treten öfter ein, als so mancher Auftraggeber denkt. Ich hatte so einen Fall erst kürzlich wieder. Diese Vorarbeit gehört genauso zum PR-Prozess, wie das Tagesgeschäft, das das klischeehafte Bild des PR-Beraters geprägt hat: Am Telefon hängen und bei Journalisten die Vorzüge und Alleinstellungsmerkmale der Kunden anpreisen. Ich finde tatsächlich, dass das einen kleinen Teil des gesamten Arbeitsprozesses ausmacht. Das Ende der Fahnenstange sozusagen. Die Konsequenz aus allen zuvor getätigten strategischen Überlegungen, Ideen und kreativen Ausbrüchen. Zudem sind die strategische und kreative Arbeit mit dem Konzept auch nicht erledigt, sondern gehen immer weiter. Und nicht jeder Journalist beißt bei einem neuen Unternehmen oder Produkt von dem er hört sofort an. Oft ist hier langfristige Überzeugungsarbeit nötig.

PR bedeutet langfristig zu denken und zu planen
Einer der großen Vorteile von PR gegenüber anderen Instrumenten, wie beispielsweise Werbung, ist das Preis-Leistungsverhältnis. Für ein vergleichsweise niedriges Budget kann mithilfe von Öffentlichkeitsarbeit schon einiges erreicht werden. Zudem sind die Streuverluste minimal im Vergleich zu klassischen Werbekampagnen wie TV oder Außenwerbung. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Unternehmen diese Investition nicht ganz bewusst überlegen müssen, denn auch hier gilt: mehr bringt mehr. Mit einem monatlichen Retainer im niedrigen vierstelligen Bereich ist zwar die Basisarbeit wie Medienansprache, zu gegebenem Zeitpunkt eine Pressemeldung und die Festlegung eines Themengebiets möglich. Doch damit ist es noch lange nicht getan. Zumal PR immer eine langfristige Arbeit ist, die Geduld und Durchhaltevermögen verlangt. Denken wir doch mal an uns selbst: Sind wir sofort von einem Unternehmen oder Produkt überzeugt, wenn wir einmal einen netten Artikel darüber lesen? Oder ist die Chance größer, dass wir Vertrauen fassen und den Schritt zum Kauf machen, wenn wir öfter darüber stolpern und von verschiedenen Seiten hören, wie gut das Produkt ist? Eben. Und weitere Male kaufen wir sowieso erst, wenn wir von der Qualität überzeugt sind.

Du hast etwas Tolles anzubieten? Wunderbar!
Zum Schluss noch ein ganz wichtiger Punkt, der ein Dämpfer, aber leider die Realität ist. Du hast etwas anzubieten von dem du total überzeugt bist und das deiner Meinung nach die Welt bereichert? Das ist toll und du solltest mit aller Kraft deinen Weg gehen! Sei aber nicht enttäuscht, wenn nicht gleich jeder Journalist Feuer und Flamme ist und dein Angebot sofort vorstellen möchte. Denn so läuft das in den wenigsten Fällen. Bei Fachmedien ist das bisweilen noch etwas anderes, doch dieses begrenzte Ökosystem möchte man auch irgendwann hinter sich lassen. Journalisten bekommen täglich Mails, Produktproben und Anrufe. In der Regel sprechen sie sich in den Redaktionskonferenzen auch noch mit ihren Kollegen ab und es wird im Kollektiv entschieden, ob eine Story genommen wird oder nicht. Selbst wenn ein Kontakt von eurem Angebot begeistert ist heißt das noch lange nicht, dass es zu einer Berichterstattung kommt. Und gerade bei Startups ist die Skepsis oft groß, da viele Jungunternehmen es nicht schaffen. Hier lautet die Prämisse nicht selten: „Wenn sie erwachsen geworden sind, reden wir noch mal.“ Neben den angebotenen Produkten oder Dienstleistungen ist es auch immer wichtig, wirklich etwas zu sagen zu haben und für ein Thema zu stehen. Was bewegt euch, treibt euch an und um, was wollt ihr der Welt unbedingt mitteilen? Wenn euch das selbst noch nicht ganz klar ist, arbeitet ein guter PR-Berater das Kernthema mit euch zusammen heraus.

Der Grundgedanke hinter PR ist es, langfristig Vertrauen und Awareness aufzubauen. Mit soliden Informationen, Botschaften, Themen, Personen und Angeboten, die standhalten. Und zwar bei den Journalisten und Zielgruppen gleichermaßen. Die Dinge übers Knie zu brechen und auf den schnellen Erfolg zu hoffen schafft nur Unzufriedenheit und ist nicht zielführend.

„Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.“
Konfuzius

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